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1398: Der Bettelknabe
Unsere neueste Oper heißt "Der Bettelknabe". Sie spielt im Mittelalter, genau gesagt im Jahr 1398.
In Österreich herrscht Erzherzog Albrecht IV. Allerdings hat er Probleme mit seinem Vetter, der lieber selbst herrschen will. Und er hat Albträume, weil er ein Urteil vollstrecken soll: einhundert Ketzer warten auf ihre Hinrichtung. Sie sollen verbrannt werden. Im Mittelalter dachte man, dass Ketzer oder Verbrecher durch eine Verbrennung mit Gott versöhnt werden. Aber Albrecht ist sich nicht sicher; es heißt ja in der Bibel: Du sollst nicht töten. Um nachzudenken, fährt Albrecht auf Wallfahrt nach Jerusalem, erst über die Alpen, dann von Venedig mit dem Schiff über das Mittelmeer. So eine Reise dauerte damals lange, allein die Schiffsfahrt dauerte drei Wochen, und Reisen war gefährlich; man wusste nicht, ob man wieder zurückkommen würde. Albrecht nimmt seinen Beichtvater Bruder Johannes, seinen Hofnarren und einige Ritter mit, die sie beschützen sollen. Ein Chorknabe, Thomas, ist auch dabei. Ein Sarazene namens Omar führt sie durch Palästina. In der Wüste gibt es Schlangen, Skorpione und vor allem Räuber. Die Pilger wollen am liebsten umkehren. Nur Albrecht will um jeden Preis nach Jerusalem. Er betet viel.
Zur selben Zeit durchquert eine große Handelskarawane die Wüste; die Händler sind auf dem Weg nach Baghdad. Mit dabei sind ein Junge namens Joel und sein Großvater, Manasse ben Jehuda. Sie reisen mit einem eigenen Kamel. Für Joel ist es seine erste Reise, und Manasse erzählt ihm viel über das Reisen und was man auf einer Reise alles beachten muss. Vor allem, sagt der Großvater, muss man vorsichtig sein. Man soll seinen Namen nicht sofort jedem Fremden sagen: "Wer deinen Namen weiß, hat Macht über dich."
Eines Nachts wird die Karawane von einer Räuberbande überfallen; die Räuber legen Feuer und stehlen alles, was sie haben. Die Händler kommen um; auch Großvater Manasse stirbt, nur Joel kann sich verstecken. Am nächsten Morgen steht Joel entgeistert vor den Trümmern.
Albrecht und seine Leute kommen. Sie finden Joel und nehmen ihn mit. Sie reisen alle gemeinsam mit dem Schiff von Jaffa nach Venedig und dann nach Wien. Auf der Überfahrt geraten sie in einen Sturm. Die Pilger glauben, ihr letztes Stündlein hat geschlagen. Nur Joel bleibt ruhig. Er singt mitten im Sturm, und auf einmal fürchten die Pilger sich nicht mehr.
An seinem Wiener Hof hat Albrecht einen Knabenchor. Das wären übrigens die Vorfahren der Wiener Sängerknaben. Albrecht schickt Joel zu den Proben. Aber die Chorknaben sind nicht nett zu Joel, sie verspotten ihn und verprügeln ihn sogar.
Der Hofnarr findet Joel und tröstet ihn: Eigentlich geht es ihnen beiden ähnlich, der Hofnarr wird auch immer verspottet. Bei ihm ist es allerdings der Beruf. Sie entdecken, dass sie beide gerne mehr lernen wollen; vor allem wollen sie gerne wissen, wie es anderswo so ist. Albrecht hört das Gespräch, und er ist ziemlich beeindruckt.
Dann gibt es bei Hof ein großes Fest; Albrecht verkündet, dass er wieder richtig regieren will, und alle klatschen Beifall. Als erstes begnadigt er die Ketzer. Denn er weiß jetzt, dass die Bibel Recht hat: Du sollst nicht töten.
Der Knabenchor singt. Joel singt ein Solo, und das macht er so gut, dass Albrecht ihm anbietet, für immer am Hof zu bleiben. Joel überlegt kurz, aber er hat sich entschlossen; er möchte lieber mit dem Hofnarren reisen und noch etwas lernen. Vielleicht kommt er ja später einmal zurück.
Zum Schluss feiern alle!
1398: Der Bettelknabe
Text: Tina Breckwoldt
Musik: Gerald Wirth
Regie: Harald Brückner
Ausstattung: Angelika Höckner
Wer mehr über das Projekt wissen will, kann in unserem Probentagebuch nachlesen.
